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"PHOTOME", 2015

17.04. - 27.06.2015
Simon Schubert hat sich mit seinen Skulpturen und vor allem mit seinen Papierfaltungen inzwischen einen festen Platz in der jungen Gegenwartskunstszene geschaffen. Die aktuelle Installation widmet er seiner Beschäftigung mit dem dänischen Maler Vilhelm Hammershøi (1864-1916), der mit seinen atmosphärischen Darstellungen von leeren Innenräumen einer der bekanntesten Maler seiner Zeit wurde. Bei Hammershøis Wiederentdeckung anlässlich der Hamburger Retrospektive 2003 schrieb der Kurator Felix Krämer: „Wie in einem immerwährenden inneren Monolog schildert [Hammershøi] mit wenigen gedämpften Farbtönen und großer geometrischer Strenge seine sparsam möblierten Zimmer.“ Dieser Satz könnte ebenso gut über die Arbeit von Simon Schubert geschrieben worden sein.

Schubert schafft im Obergeschoss der Galerie einen herrschaftlichen Raum, dessen Wände aus Papier  bestehen und mit gefalteten Vertäfelungen und Zierleisten versehen sind. Die Scheiben der Sprossenfenster werden mit Papier verblendet, und der Boden ist aus lackiertem Holz, so dass ein vollkommen weißer Raum entsteht. Er zeigt auf der Hauptwand ein umfangreiches Ensemble von Papierfaltungen, deren auf gefaltete Rahmen montierte Motive wie Reminiszenzen auf Hammershøis Bilder erscheinen. Das Hauptthema dieser neuen Arbeiten ist das einfallende Sonnenlicht, das geometrische Muster in die Räume wirft. Magisch dabei ist, dass diese Lichtflächen heller wirken als das blanke Papier. Darüber hinaus geht Schubert hier seriell vor: Er stellt Sequenzen gleicher Raumsituationen dar, in denen die Wanderung des Sonnenlichtes wiedergegeben wird. So findet auch der Aspekt der Zeit Eingang in das Werk. Licht und Zeit sind nicht nur Motiv, sondern zugleich die Faktoren, die die Faltungen von Simon Schubert sichtbar werden lassen: Ohne Licht wäre ihre subtile Oberfläche mit den vielen, minimal erhabenen Kanten, Fugen und Knicken bloß ein weißes Blatt.

In der Papierinstallation sind ebenfalls neue skulpturale Werke zu sehen: auch sie beschäftigen sich mit dem Thema Zeit sowie der Zusammensetzung der chemischen Elemente, aus denen ein menschlicher Körper besteht. Ausgestellt in einer Tischvitrine, bilden sie aber zugleich auch ein alchemistisches Selbstportrait des Künstlers. Ähnlich enigmatisch ist der weisse Abguss des Polyeders aus Dürers Melencolia. Beide Objekte beseelen den Raum auf beunruhigend geheimnisvolle Weise. Schubert erweitert sein imaginäresHaus, das von Ausstellung zu Ausstellung um eine weitere Verschachtelung anwächst. 

Im Erdgeschoss zeigt die Galerie eine neue monumentale Grafitzeichnung von Simon Schubert, eine Technik, die er seit etwa 2 Jahren fortentwickelt: dafür werden großformatige, weiße Papierblätter vom Künstler zunächst fast vollständig mit Grafitpulver eingerieben, bevor er durch Abtragen und sanftes Radieren der dunkelgrauen Farbe Stellen aus Helligkeit und Licht in den Bildern entstehen lässt. Diese Arbeiten sind eine Art Gegenentwurf zu den Papierfaltungen, die ohne jegliche zeichnerische Mittel auskommen. Die bisherigen Grafitarbeiten widmen sich der Darstellung von Feuer und Brand -brennende Häuser bei Nacht, brennende Objekte wie Türen und Sessel, die aus der vollkommenen Dunkelheit leuchten. 2013 entstand dann eine Serie, die sich mit dem Film „Letztes Jahr in Marienbad“ beschäftigte.

Die nun ausgestellte jüngste Grafitzeichnung zeigt schließlich den Feuerball der Sonne mit den Eruptionen ihrer Oberfläche im völligen Dunkel des Alls. Sie ist mit fast 5 Meter Länge die größte Arbeit, die Schubert bisher in dieser Technik geschaffen hat.

Der 1976 geborene Künstler lebt und arbeitet in Köln. Aktuelle Ausstellungsbeteiligungen: „Walk the Line. Neue Wege der Zeichnung.“, Kunstmuseum Wolfsburg, April bis August 2015.

Anlässlich der Ausstellung gibt die Galerie die Monographie »SIMON SCHUBERT, Grafit« im Verlag STRZELECKIBOOKS heraus (Preis: 36 )

 

Pressetext, Van der Grinten Galerie, 2015

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