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DAS CARBINETT

19.01. - 16.03.2013
In ihrer zweiten Ausstellung in den neuen Räumen zeigt die Van der Grinten Galerie auf beiden Etagen aktuelle Werke des Kölner Künstlers Simon Schubert.

Unter dem Titel „Das Carbinett“ verwandelt Schubert den Ausstellungsraum im Erdgeschoss in eine in sich geschlossene Einheit: Ein vollständiger anthrazit-schwarzer Raum im Raum. 

Wände und Decke sind aus Papier. Das ursprünglich weiße Papier ist komplett mit Graphitpulver geschwärzt. Auch der Boden ist mit grauen Platten belegt. Der Eindruck eines verbrannten Raumes entsteht.

Im Inneren der Installation befinden sich Skulpturen aus PU-Schaum – luftige Objekte aus blasenartigem Material, schwarz und flüchtig wie Rauchschwaden. Daneben scheinen Überwürfe aus Stoff in der Luft zu schweben. Auch sie hat Schubert mit Graphit überzogen. Auf den Wänden, die wie bei seinen vergangenen Museumsinstallationen (Kunstverein Bregenz, Villa Zanders - Bergisch Gladbach) durch Faltungen wie vertäfelt scheinen, setzt sich der Künstler diesmal auch mit den Möglichkeiten der Graphitzeichnung auseinander. Dabei erziehlt Schubert den nahezu fotografischen Effekt bei den Ein- bzw. Ausblicken auf brennende Häuser durch präzise Auslassungen bzw. durch Wegnehmen des zuvor von Hand aufgetragenen Graphitpulvers.

Das Obergeschoss der Galerie ist einer Übersicht der jüngsten Skulpturen und weissen Faltarbeiten gewidmet. Es sind verschiedene Einblicke in ein Haus, die an das Modell eines Herrenhauses des 19. Jahrhunderts angelehnt sind. Die Falttechnik hat Simon Schubert vor Jahren selbst entwickelt und er ist bis heute der einzige, der sich dieser Methode bedient. Lediglich unter Zuhilfenahme kleiner Metallwerkzeuge faltet Schubert jedes Detail seiner Arbeiten von Hand. Dabei entsteht eine Dreidimensionalität, die die filigrane Architektur von Innenräumen, Treppenhäusern, Bodenstrukturen und Holzvertäfelungen plastisch erscheinen lassen.

Mit seiner einzigartigen Technik gelingt es Simon Schubert meisterhaft einen Raum als gefaltete Fläche darzustellen, mal als komplexes Ganzes, mal als Fragment. Mit größter Präzision entsteht aus schlichtem  Papier, das in der ältesten Papiermühle Europas produziert wird, eine Abbildung der Realität und gleichzeitig eine Verfremdung der Wirklichkeit.

Simon Schubert (geb. 1976 in Köln) studierte 1997 bis 2004 bei Irmin Kamp an der Düsseldorfer Kunstakademie. Von 2001 bis 2004 war er Assistent des Philosophieprofessors Paul Good. Er wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Simon Schubert arbeitet und lebt mit seiner Familie in Köln. Er ist seit 2005 Künstler der Van der Grinten Galerie.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: Simon Schubert „Haus Ascher“, Kunstverein Bregenz, 2012


Pressetext, Van der Grinten Galerie, 2013

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