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Watchlist – Simon Schubert

Monopol, June 2007
Daniel Kothenschulte

Knicke im Papier waren bei Kunstsammlern nie sehr beliebt. Das könnte sich nun ändern: Seit der Kölner Simon Schubert vor zwei Jahren damit begonnen hat, Samuel Becketts kantiges Konterfei in weiße Bögen zu falten, werden sie seinem Galeristen Franz van der Grinten förmlich aus den Händen gerissen. Das passt zum Lieblingsthema des Bildhauers, auf das ihn die Beckett- Lektüre brachte – das Verschwinden. Unter den mittlerweile drei Schubert-Plastiken in der Londoner Saatchi Collection ist eine große Frauenfigur, die ähnlich der Protagonistin eines japanischen Horrorfilms ein Bad in ihrer eigenen, gespenstischen Haarpracht nimmt. Erinnerungen an Horrorklassiker wecken auch die immer komplexer gearbeiteten, neueren Papierarbeiten: Im Streiflicht lassen sich Architekturen erkennen. Sie suggerieren Gänge und Treppenhäuser herrschaftlicher Anwesen, wie sie der Genrefreund als haunted mansions kennt. Die Faltungen stehen nur wenige Millimeter hervor, sind aber so präzise, dass sogar Spiegel und Durchgänge unterscheidbar sind.

Schuberts selbsterfundene Technik hat nichts zu tun mit Prägedrucken. In feinster Fingerarbeit spiegelt sie eine Welt, in der sonst Axt und Kettensäge das Sagen haben. Statt des Blutes feiern sie das Weiß. Samuel Beckett liebte diese Farbe des Verschwindens. Nicht umsonst werden Kinoleinwände mit ihr gestrichen.

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