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Karl Hugo Schmölz - Die Stadt als Bühne

erschienen bei Schirmer/Mosel, 2012

Hrsg. v. Franz van der Grinten und Thomas Linden
Mit Texten von Ulf Erdmann Ziegler und Thomas Linden

Der 1917 geborene Karl Hugo Schmölz zählt zu den bedeutendsten Architekturfotografen seiner Zeit. Sein Vater Hugo Schmölz (1879-1938), in dessen Studio er bereits seine Lehre absolviert hatte und das er nach dem Tod des Vaters 1938 weiterführte, war Freund und Zeitgenosse von August Sander, Hugo Erfurt und Werner Mantz und in gleicher Weise wie diese Vertreter der Neuen Sachlichkeit. 
Die Fotowerkstätte Hugo Schmölz bestand unter diesem Namen bis 1958. In diesem Jahr schied Karl Hugo Schmölz aus, und die Firma wurde bis zu ihrem Verkauf an die jetzigen Besitzer von Oskar Ullrich, dem Schwager von Schmölz, weitergeführt. Schmölz selber gründete mit seiner Frau, der Modefotografin Walde Huth, ein Großstudio im Kölner Süden, das sich nun, den Zeitläufen anpassend, überwiegend auf Werbung spezialisierte. Das Studio schmölz + huth existierte bis zu seinem Tod 1986.
 
Was bislang in der »Genealogie« der Deutschen Fotografie gefehlt hat, nämlich das Bindeglied zwischen Neuer Sachlichkeit und deren Fortsetzung als konzeptuell aufgefasste Dokumentation durch Bernd & Hilla Becher ab Ende der 60er Jahre, kann man in Karl Hugo Schmölz und seiner Architekturfotografie aus der Nachkriegszeit sehen. Er ließ die Sachlichkeit in der Dokumentation in den Begriff von Modernität dieser Jahre übergehen. So ist es kein Wunder, dass der amerikanische Architekt Richard Neutra ihn mit den Aufnahmen der beiden Privathäuser in Wuppertal beauftragte, die dieser dort für Wilhelm Kemper und Günter Pescher erbaute. Und bestimmt hatte es nicht nur regionale Gründe, dass Candida Höfer bei Karl Hugo Schmölz ein Volontariat absolvierte, das sie auf das Studium bei Bernd Becher in Düsseldorf vorbereiten sollte.
 
Allen Aufnahmen von Karl Hugo Schmölz sind die ungeheure künstlerische Qualität und ihre einzigartige technische Perfektion zu eigen. Bereits zu Lebzeiten war Karl Hugo Schmölz weit über Deutschland hinaus bekannt für seine Beleuchtungstechnik, die den Bildern, insbesondere den Innenraumaufnahmen zum Teil hyperreale Schärfe und Tiefe verleiht. Zudem war die hundertprozentige Vorbereitung einer Aufnahme sein besonderes Markenzeichen, das ihn weit über viele Zeitgenossen hinaushebt. Zu dieser Vorbereitung gehörte, den Innenraum, die Passage, den Baukörper in Volumen und Wirkung genau zu erfassen, um ihn später so darstellen zu können, das nicht nur die Oberflächen abgebildet sind, sondern auch Raum und Atmosphäre. Auf Bildern von Schmölz kann man die Kühle von Metall spüren, die Weichheit von Stoff, den angenehmen Glanz von poliertem Holz, die Lichtdurchlässigkeit von Glas. Dabei erweist sich Schmölz als Genie im Umgang mit vorhandener und zusätzlicher Beleuchtung und der Mischung beider zu gegenseitiger Ergänzung. Schließlich ist die Wahl des Kamerastandpunktes, die genaue Definition der Höhe der Blickachse und die Aufnahmedauer von entscheidender Bedeutung für die Wiedergabe von räumlichen oder baulichen Situationen. Seine Beziehung zur Architektur, die sich natürlicherweise in der Vielzahl der Architektenfreunde widerspiegelt, ist kenntnisreich und leidenschaftlich zugleich. Dass er dafür eine sachliche Sprache entwickelt hat, macht seine überragende Bedeutung aus.
 
Der nahezu vollständige Erhalt des Glasplatten-Negativ Archives der Fotowerkstätte Hugo Schmölz (bis 1945 soweit es den Weltkrieg überstanden hat, danach mit Ausnahme des Privatarchivs von Karl Hugo Schmölz) ist dem Fotografen Wim Cox zu verdanken, der es über inzwischen vierzig Jahre ungeschmälert erhalten hat. Er erwarb es zusätzlich zur Fotowerkstätte Anfang der 70er Jahre und hat es so wohl vor der Zerstörung bewahrt. Ihm und seinem Sohn Maurice Cox sei an dieser Stelle für ihre unermüdliche Arbeit am Zustandekommen dieses Buches, das darüber hinaus das Ergebnis einer über Jahre gewachsenen, vertrauensvollen Zusammenarbeit ist, gedankt.  
Mein besonderer Dank gilt ebenso den Autoren: Ulf Erdmann Ziegler für seine, das facettenreiche Verständnis einer besonderen Zeit an einem besonderen Ort fördernde literarische Rundfahrt durch Köln und Thomas Linden für seine foto-und geistesgeschichtliche Würdigung der Arbeit von Karl Hugo Schmölz. Zuletzt danke ich dem Verleger Lothar Schirmer, der in Kenntnis der außerordentlichen Qualität der Architekturfotografie von Schmölz mit diesem Buch den Grundstein für eine umfassende Beschäftigung seines Werkes gelegt hat.

Vorwort von Franz van der Grinten, Köln, 2012

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