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Michael Ackerman
05.09.-24.10.2020

 

Der 1967 in Israel geborene Michael Ackerman kam mit seiner Familie 1974 nach New York. Mit kaum 18 Jahren entdeckte er die Fotografie als persönliche Ausdrucksform und ging im wahrsten Sinne des Wortes in ihr auf. Er selbst sagt dazu: „Als ich die Fotografie für mich entdeckte, schien es, als hätte ich endlich eine Stimme bekommen.“ Er brach das College ab und widmet sich seitdem in absoluter Konsequenz seiner Arbeit, die ihn zunächst die Straßen von New York erkunden ließ, die nicht nur soziale Spannungen prägten sondern auch existentieller individueller Ausdruck. Dieser Ausdruck begann Ackerman vor allem bei Menschen, deren Leben durch religiöse oder traditionelle Identität geprägt sind, und im Nachtleben zu faszinieren, wo Fremdartigkeit und Geheimnis der „ordentlichen“ Realität entzogen sind. Darin webt sich Ackermans Empfindung für Zeit und Zeitlosigkeit, für seine eigene Herkunft und die geschichtliche Aufladung von Orten. 

Jenseits der Suche nach „der Geschichte“, die Ackerman als klassischen Fotojournalisten hätte ausweisen können, brachte seine Arbeitsweise den ansonsten eher schüchternen Fotografen in die direkte Konfrontation mit der inneren Unruhe, die die Reibung zwischen Zurückhaltung und ungezügelter Neugierde erzeugt und dadurch vielleicht auch in der Lage ist, Intimität und Distanz auszugleichen, um mit dem Gesehenen verbunden zu sein. 

1992 beginnt Ackerman eine Weltreise, die ihn von Manila zunächst nach Kalkutta führt und von dort nach Varanasi, der heiligsten Stadt des Hinduismus, auf deren terrassenartigen Uferanlagen des Ganges nebeneinander sowohl tausende rituelle Bäder wie Verbrennungen stattfinden. Bis 1997 und nach zahlreichen Reisen ist die Arbeit an „End Time City“ abgeschlossen, die zwei Jahre später bei Delpire in Paris publiziert wird und im gleichen Jahr den begehrten Prix Nadar erhält. Sein vollkommen unakademischer Gebrauch der Fotokamera unter bewußter Hinzunahme von Belichtungsfehlern, Überblendung, Unschärfe und Bewegung, um letztlich die Kühle und Starre der Technik zugunsten des ungehinderten Ausdrucks des Bildes völlig zu überwinden, bringt ihm höchste Anerkennung ein. Er gilt als einer der einflussreichsten Fotografen für jüngere Generationen.

Betrachtet man seine Bilder, ist es unmöglich, sich ihrer unglaublichen Intensität zu entziehen. Unsere Ausstellung zeigt neben früheren Arbeiten aus Indien, New York und Osteuropa auch die jüngsten Fotografien und Assemblagen, die Michael Ackerman auf dem Jüdischen Friedhof in Warschau aufgenommen hat. Er hat auf der ganzen Welt den existentiellen Ausdruck des Menschen gesucht und ihn auch am Ort der Herkunft seiner eigenen Familie gefunden und in die vielleicht zerbrechlichste Form überhaupt übertragen: Bilder von den verwitterten kleinen Portraitfotos der Kinder auf dem Warschauer Friedhof: Wie ein erstickter Schrei, der durch seine Arbeit doch ein Echo in die Gegenwart hat. 

 

Michael Ackerman erhielt den Nadar Award für sein Buch ‘End Time City’ (Delpire, 1999) und 1998 den Infinity Award for Young Photographer des International Center of Photography NYC. Außerdem wurde ihm 2009 der SCAM Roger Pic Award für ‘Departure, Poland’ zugesprochen. 2001 veröffentlichte er sein viel diskutiertes Buch „Fiction“ und zuletzt (2010) „Half Life“ im gleichen Verlag.
Seit 2010 lebt er in Berlin.

 

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